Der Prozess


Anklageschrift:

Durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt(Oder), Zweigstelle Eberswalde, wird der Fahrer und Unfallverursacher Herr Falco Sch. wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässigen Eingriffs in den Straßenverkehr unter Alkohol und berauschenden Mitteln angeklagt.
Die öffentliche Verhandlung fand am 07.09.2006 um 9:00 Uhr am Amtsgericht Schwedt(Oder) statt. Wir traten gemeinsam mit unseren Töchtern als Nebenkläger auf.

Die Verhandlung begann wie vorgesehen und endete wie erwartet, aber nicht erhofft
- zugunsten des Angeklagten.


Falco Sch. bekannte sich zu allen Anklagepunkten schuldig – zu seinen Gunsten.
Falco Sch. hat keine Vorstrafen – zu seinen Gunsten.

Hier die für uns wichtigsten Erkenntnisse dieser Verhandlung:

Falco Sch. – ein notorischer Trinker?
Trotz vor Ort gemessenem Blutalkoholwert von 1,04 Promille zeigte er laut eigener Aussage, laut Aussage seiner Freunde und sogar des untersuchenden Arztes keine erkennbaren Zeichen von Trunkenheit, keine Ausfallerscheinungen. Ich denke, dass setzt ein gewisses Maß an Training voraus. Auf jeden Fall war es also auch für Vivien nicht erkennbar.
- zu seinen Gunsten -

Falco Sch. – ein notorischer Fahrer unter Alkohol?
Trotz eines von ihm genannten Alkoholkonsums von einer Flasche Sekt und ein paar Bier fühlte er sich nach eigener Aussage in der Lage zu fahren, also fahrtauglich. Woher resultierte diese Erkenntnis, von anderen Alkoholfahrten?
- zu seinen Gunsten -

Falco Sch. – ein notorischer Kiffer?
Wie unsere Recherchen ergaben, nahm er schon während der Schulzeit Drogen. Er gab selbst auch Drogen ab, bot sogar unserer Vivien an diesem Abend einen Joint an, obwohl es ihr nicht so gut ging, da sie keinen Alkohol vertrug. Dies war seine Aussage vor Gericht, praktisch das Geständnis einer Straftat – Abgabe von Drogen an Minderjährige.
- zu seinen Gunsten -

Falco Sch. – ein notorischer Lügner?
Sein Anwalt ließ uns wissen, wie sehr sein Mandant unter dem Geschehenen leidet. Seit Monaten habe er seine Wohnung nicht verlassen, erst vor kurzem hätten ihn Freunde überredet, einmal auszugehen. Die Frage unserer Anwältin nach diversen Veranstaltungen
( z.B. Freibierfest, Osterfeuer, Disco, Loveparade ), auf denen er unbeschwert gesehen wurde, beantwortete er vor Gericht mit „ja“. Auch die Feststellung, dass er also schon im März wieder feiern war, bejahte er. Ein Schlag ins Gesicht, wohl auch für seinen Anwalt.
- zu seinen Gunsten -

Sein Anwalt sagte vor Gericht, Falco hätte ein Gespräch mit uns gesucht und wir hätten verständlicherweise abgelehnt – zu seinen Gunsten. GELOGEN.
Ca. 4 Monate nach der Tat sagte unsere Anwältin Falco Sch. wolle mit uns reden. Dies konnte zu diesem Zeitpunkt nur eins bedeuten. Er hatte die Anklageschrift erhalten und dies war der erste Rat seines Anwaltes. Trotzdem sagten wir ja, wir wollten unter vier Augen die Wahrheit von ihm erfahren. ER lehnte ab, wollte nur im Beisein beider Anwälte mit uns reden. Das konnte er haben, am 07. September 2006 vor Gericht.

Nun etwas für uns sehr Wichtiges, leider für die Anwälte und Richterin nicht Relevantes.
Für uns war klar, keine seiner Aussagen war noch glaubhaft.
Er sagte aus, Vivien wollte mit ihm nach Hause fahren. Dafür gibt es keine Zeugen. Aber es gibt Zeugen dafür, dass sie auf keinen Fall mit ihm irgendwohin wollte. Vivien wollte in Schwedt bei einer Freundin schlafen, stand sogar in seiner schriftl. Aussage. Auch seine Zeugen sagten dies aus. Freunde von Vivien machten uns auf ein Bild im Internet aufmerksam. Es war ein Partybild von dieser Feier und zeigte Falco mit Freunden und einer Anderen im Arm. Natürlich suchten wir Zeugen für Viviens letzten Abend, das ist wohl verständlich. Es gab so viele Fragen. War sie glücklich, bevor sie starb? Hatte er sie erst betrogen und dann getötet? Wir suchten Antworten.

Fazit:

Vivien wurde von mehreren Freunden und Bekannten gesehen, doch nicht ein einziges Mal mit ihm. Sie saß auch nicht an seinem Tisch, sondern am Tisch ihrer Freundin. Ihr gegenüber sprach sie von ihrer Befürchtung, dass Falco sie betrügt.
Wir werden nie erfahren, warum sie doch in sein Auto gestiegen ist.

Die ganze Verhandlung war eine einzige Farce. Sein Anwalt machte seinen Job gut, verteidigen egal wie, augenscheinlich ohne jedes Gewissen und Sinn für Gerechtigkeit.
Die Richterin erklärte uns, dass es keine gerechte Strafe für den Tod unseres Kindes gäbe, also bestrafte sie Falco Sch. überhaupt nicht dafür. Die Milde der Strafe konnte sich ja nur auf Fahren unter Alkohol und Drogen beziehen. Sonst ist sie für uns nicht zu erklären.

Urteilsverkündung:

Falco Sch. bekam eine Haftstrafe von einem Jahr, welche ausgesetzt wurde auf 3 Jahre Bewährung. Der Führerschein wurde ihm entzogen für 1 Jahr und 9 Monate, gerechnet vom Tag der Urteilsverkündung.Er musste 200 Arbeitsstunden bringen, die er meines Wissens im Klinikum Uckermark ableisten durfte. Das ist doch nun wirklich makaber. Er sollte auch die Kosten des Verfahrens tragen, aber nach neuesten Meldungen hat sein Anwalt dagegen Widerspruch eingelegt, vermutlich da Falco arbeitslos ist und dann ja auch kein Geld mehr für seine regelmäßigen Discobesuche hat. Wie muss ich das dann verstehen, dass er eine kürzlich angebotene ABM-Stelle einfach ablehnte?

Die Richterin sprach uns nach der Urteilsverkündung noch ihre Betroffenheit aus, sehr mitfühlend.

Es stellt sich ganz automatisch die Frage, wie hätte sie entschieden, wenn es ihr Kind wäre? Wie würde sein Anwalt plädieren, wenn ein anderer Verteidiger auf dem Grab seines Kindes trampeln würde?
Fragen über Fragen, keine Antworten, nur ein Grab, das es nicht geben dürfte.
Falco Sch. hat uns unser Kind genommen und saß im Gerichtssaal ohne jede Regung. Es war nichts von Reue zu spüren. Völlig emotionslos kam der Satz von ihm: „Es tut mir leid“. Bei aller Toleranz, man konnte es ihm so nicht abnehmen.

Wir können nur hoffen, dass es doch eine gerechte Strafe für den Tod unseres Kindes gibt.