"Es gibt Momente im Leben eines jeden Menschen
da hört die Erde für einen Moment auf sich zu drehen.
Und wenn sie sich dann wieder dreht,
wird nichts mehr sein wie vorher."

Das Wochenende, das unsere heile Welt für immer zerstörte!

Am Freitag, dem 24.02.2006 fuhren mein Mann und ich über das Wochenende nach Münster, um unsere älteste Tochter Sarah zu besuchen. Vivien wollte lieber zu Hause bleiben. Sie hatte im Klinikum, wo sie ein Praktikum absolvierte, einen Jungen kennen gelernt und war seit etwa vierzehn Tagen frisch verliebt. Er leistete dort seinen Zivildienst und war schon 21 Jahre alt. Mit seinem Toyota nahm er Vivien öfter mit zur Arbeit und brachte sie wieder nach Hause.
Für den Samstag hatten die Beiden den Besuch einer Faschingsfeier geplant. Diese war ca. 32 km von unserem Wohnort entfernt. Sie versprach, nicht so lange zu bleiben. Da Falco als Fahrer keinen Alkohol trinken konnte, fragte uns Vivien Samstag Abend am Telefon, ob sie nach ihrer Rückkehr mit Falco bei uns eine Flasche Wein öffnen dürfte. Wir erlaubten es ihr, und das war das letzte Mal, dass wir ihre so außergewöhnliche Stimme hörten. Sie klang so fröhlich und glücklich und niemals hätten wir gedacht, dass irgendetwas Schlimmes passieren könnte.
Dann kam der Sonntag. Ich glaube, es war zwischen 5:00 Uhr und 5:30 Uhr morgens, als uns das Klingeln des Handys weckte. Janine, unsere mittlere Tochter, war am Telefon. Sie wohnt in Berlin, da sie dort eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert. Mein Mann sprach mit ihr, Sarah und ich versuchten zu erfassen, worum es bei diesem Gespräch ging. Noch immer brachte ich es nicht mit Vivien in Verbindung, denn sie war ja 150 km von Janine entfernt. Und dann sagte mein Mann etwas furchtbar sinnloses. Vivien hätte einen schweren Verkehrsunfall gehabt und wäre bewusstlos, wegen einer Kopfverletzung, ins Klinikum gebracht worden. Mein erster Gedanke war-das kann doch nicht sein, weil sie zu Hause in ihrem Bett liegt! Michael (mein Mann) rief dann sofort in der Klinik an. Zuerst wollte man uns keine Auskunft geben, wir sollten gleich hinkommen. Als der Arzt erfuhr, dass wir ca. 700 km entfernt waren, gab er doch Auskunft. Jeden Tag höre ich dieses eine fassungslose Wort aus dem Mund meines Mannes: „verstorben?“. Sarah begann zu weinen und zu zittern, ich rief immer wieder: „Mein Kind ist nicht tot, das ist nicht Vivien. Sie liegt doch zu Hause im Bett.“ Es ist für mich heute genauso unfassbar wie an diesem Sonntag und mein Verstand weigert sich immer wieder zu begreifen, dass unsere kleine Vivien nie wieder zurückkommt. Und es grenzt an ein Wunder, wie Michael mit dem Wissen um unseren schmerzlichen Verlust diese große Entfernung mit dem Auto zurücklegen konnte, ohne zu verzweifeln. Vivien verstarb am 26.02.2006 um 4:48 Uhr an den Folgen eines Schädelhirntraumas dritten Grades. Sie hatte keine Chance.
Was war passiert? Sie fuhr mit Falco wie abgesprochen nach Hause, natürlich später als geplant, weil es wiedermal so schön war. ABER Falco hatte getrunken, was überhaupt nicht geplant war. Nach etwa der Hälfte der Strecke kam der Toyota aus noch ungeklärten Gründen von der Straße ab und prallte ungebremst gegen einen Baum am rechten Fahrbahnrand. Falco wurde bei dem Unfall nur leicht verletzt. Vivien wurde im Auto eingeklemmt und konnte erst von der Feuerwehr herausgeschnitten werden. Als Erster traf zufällig Viviens bester Freund Andy am Unfallort ein, da er ebenfalls auf dem Weg nach Hause war. Er fragte Falco, wer seine Beifahrerin ist, weil er ihr schönes Gesicht nicht mehr erkennen konnte. Die Antwort bestürzte ihn zutiefst und er versuchte alles, um ihr zu helfen. Andy rief sofort den Rettungsdienst, da war es 3:40 Uhr, dann löste er ihren Gurt, damit sie besser Luft bekam. Vivien war schon bewusstlos, und da sie eingeklemmt war, konnte Andy nur noch ihre Hand halten, bis der Rettungswagen eintraf. Dafür werden wir ihm ewig dankbar sein. Wie gerne hätten wir diese Hand gehalten, ein letztes Mal. Wir konnten uns nicht einmal von ihr verabschieden, da uns vom Arzt geraten wurde, sie nicht so zu sehen mit diesen schweren Kopfverletzungen.Wir sollten unsere Vivien in Erinnerung behalten, wie sie war-so wunderschön. Bis heute wissen wir nicht, ob diese Entscheidung richtig war. Es ging alles viel zu schnell. Diese Zeilen haben sehr viele Tränen gekostet.







Februar 2007